Überlandflug

Neben der Flugschulung hat der Leistungssegelflug einen festen Platz in unserem Verein. Davon zeugen sowohl die Erfolge bei regionalen, 8 bis 14-tägigen Wettbewerben, wie z.B. dem "Sauerlandwettbewerb", als auch die guten Platzierungen bei der Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug.

Die DMSt findet bundesweit statt und wird jedes Jahr unter großer Teilnahme (1994: über 3000 Piloten) ausgetragen. Jeder Teilnehmer kann beliebig viele Flüge absolvieren und zur Wertung an den Landesverband einreichen. Je Pilot werden nur die besten drei Flüge in einer der 4 Einsitzerklassen und der beste Flug in der Doppelsitzerklasse gewertet. Darüber hinaus werden in der Mannschaftswertung die punkthöchsten Flüge dreier Piloten zusammengefasst. Das Jahresergebnis der DMSt-NRW wird veröffentlicht und gibt zum einen die Aktivität der Mitglieder der einzelnen Vereine wieder, zum anderen geben die Platzierungen in der Einzelwertung Aufschluss darüber, welche Piloten sich für die Teilnahme an den Landesmeisterschaften der verschiedenen Wertungsklassen qualifiziert haben.

Bei den ersten Überlandflügen von Oeventrop aus dachte sicherlich noch niemand an gute Platzierungen oder gar an eine Meisterschaftsteilnahme. Diese Flüge wurden als Teil der praktischen Prüfung für den Luftfahrerschein durchgeführt oder um Leistungsabzeichen zu erhalten (50 km- bzw. 300 km-Flug). Danach wurde fast ausschließlich am Platz geflogen. Spötter behaupten, in dieser Zeit jedes Vogelnest zwischen Hasenacker und Küppelturm gekannt zu haben. Angeblich waren die Erträge des Vereins aus dem Betrieb des Spatzennestes damals höher, als die Einnahmen aus dem Flugbetrieb...

Noch eine weitere Herausforderung zog die Piloten in die Ferne: die 500 km Strecke zum Erwerb eines Diamanten zum Leistungsabzeichen. Mit den Leistungen der Vereinsmaschinen ging das am besten mit Rückenwind und dann immer geradeaus. Da der Eiserne Vorhang den Weg nach Osten behindert hieß das Ziel Frankreich. Ein lange bestehender Vereinsrekord aus dieser Zeit sei in diesem Zusammenhang erwähnt: der 661 km-Flug nach Grentheville-Caen von Wolfgang Gerold, aufgestellt auf einer Ka 8b am 04.06.1970, dem selben Tag, an dem der Rekordsegelflieger H.W.Grosse seinen ersten Flug über 1000 km schaffte (ebenfalls nach Frankreich, aber auf einem wesentlich leistungsfähigeren Muster). Auch Willi Unger erreicht an diesem Tag die Atlantikküste (Ka6). Seit dieser Zeit sind keine so erfolgreichen "Freie" Strecken-Flüge mehr durchgeführt worden. Dafür gibt es sicher gute Gründe. Für die Realisierung eines solchen Fluges muss die Windrichtung hundertprozentig stimmen und der Wind darf natürlich nicht zu schwach sein. Die Wetterlage muss homogen sein, dass heißt auch in 500 km Entfernung vom Startort müssen ähnlich gute Flugbedingungen vorherrschen. Andernfalls lohnt sich der Aufwand für solch einen weiten Flug für den Piloten sicher nicht, denn er muss eine verlässliche Mannschaft zusammentrommeln und er muss natürlich zwei bis drei Tage Zeit opfern, denn die Rückholtour dauert lang und ist kostspielig. Heute werden neben Zielflügen mit Rückkehr zum Startort fast ausschließlich Dreiecksflüge durchgeführt. Dadurch spart man sich die langen Rückholwege und obendrein gibt es für dieseArt von Flügen mehr Punkte bei der DMSt.

Die Piloten unseres Vereins, die heute auf Strecke gehen, profitieren natürlich von den Erfahrungen, die ihre Kameraden in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, so dass sie z.B. bei der Streckenwahl nicht mehr die Fehler machen, die einen geplanten Flug schon frühzeitig enden lassen. Die Leistungen unserer neueren Flugzeuge sind natürlich besser als die vor 20 Jahren, Wettervorhersagen gibt es speziell für Segelflieger und auch die Bordinstrumente wurden technisch weiterentwickelt. Man denke nur an die Satellitennavigation (GPS, Global Positioning System), mit deren Hilfe z.B. der genaue Standort auf einem Überlandflug angezeigt werden kann oder die exakte Entfernung zum nächsten Wendepunkt. Mit diesen Hilfen und mit der guten Ausbildung sind Flüge über 300 km bei durchschnittlichen Wetterbedingungen heute an der Tagesordnung. Dennoch wird den Piloten nichts in den Schoß gelegt. Die Konkurrenz schläft nicht, so dass die Anforderungen an jeden einzelnen Piloten steigen, der sich bei der DMSt gut platzieren will. Der Luftraum, der den Segelfliegern über Deutschland zur Verfügung steht, wird immer enger, jedes Jahr ergeben sich neue Beschränkungsgebiete, die gemieden oder umflogen werden müssen.

Mit modernen Segelflugzeugen werden heute in geographisch und meteorologisch günstig liegenden Gebieten (USA, Neuseeland) Strecken bis zu 2000 km zurückgelegt, was natürlich ein entsprechendes Können des Piloten und das Vorhandensein eines leistungsfähigen Flugzeugs voraussetzt. Über Deutschland sind solche Weiten zur Zeit noch undenkbar, doch bereits in Spanien finden sich Bedingungen, die zumindest die Hälfte der Strecke möglich machen. So gelang dort im Sommer 1994 K.J. Bock nach mehreren gescheiterten Versuchen ein Vieleck-Flug um drei Wendepunkte über 1043 km.

Die Wettbewerbsfliegerei des LSC Oeventrop - neben der Teilnahme an der DMSt - ist mittlerweile so umfangreich, dass eine Aufzählung der erfolgreichen Teilnehmer der letzten Jahre diesen Artikel noch ganz schön in die Länge ziehen würde.

An den Erfolgen haben auch die Vereinskameraden Teil, die nicht so gerne auf Kilometerjagd gehen, denn ohne ihre Funktion als Starthelfer, Windenfahrer oder Rückhohler sind Überlandflüge natürlich undenkbar. Darüber hinaus verzichten sie häufig bei gutem Wetter auf die Flugzeuge, die stundenlang unterwegs sind.

Damit man nichts vergisst, eine Checkliste für den Fliegerurlaub.